Essbarer Lavendel (Lavandula X Intermedia)
Verwende nur essbare Sorten wie ‘Grosso’ oder ‘Edelweiß’ für kulinarische Zwecke. Lavandula × intermedia (Provence-Lavendel / Lavandin) ist eine robuste, essbare Lavendelart, die besonders in der Küche, für Tees und als Heilpflanze genutzt wird. Die Blüten und Blätter des Provence-Lavendels sind essbar und werden vor allem für Aufgüsse, Backwaren (z. B. Kekse, Kuchen, Pfannkuchen) und zur Ölgewinnung verwendet. Das aus den Blüten gewonnene Öl (Lavandin-Öl) ist weniger hochwertig als das des Echten Lavendels, aber günstiger und wird ebenfalls in der Aromatherapie und Kosmetik eingesetzt.
Name (Deutsch): Essbarer Lavendel
Botanischer Name:
- Lavandula × intermedia (Hybride aus Lavandula angustifolia × Lavandula latifolia)
Gattung: Lavandula
Pflanzenfamilie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Name im Volksmund: Lavandin, Hybrid-Lavendel, Großer Lavendel
Anbauordnung:
Kulturart:
- Zierpflanze, Heilpflanze, Duftpflanze, Küchenpflanze, Bienenweide
Klimazone:
- Mediterrane bis gemäßigte Zone (optimal: 15–25 °C; winterhart bis −15 °C, in rauen Lagen Winterschutz empfohlen)
Erntezeitraum: Juni–August (Blüten), ganzjährig (Blätter)
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Nicht winterhart in extrem kalten Regionen – Frostschutz (Vlies, Laub) oder Topfkultur im Winter.
- Benötigt volle Sonne für intensiven Duft und Blütenbildung.
- Verträgt keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).
- Regelmäßiger Rückschnitt nach der Blüte fördert buschiges Wachstum.
- Staudencharakter – verholzt mit der Zeit, aber treibt jedes Jahr neu aus.
Bemerkung:
- Hybride aus Schmalblättrigem und Breitblättrigem Lavendel – robust, ertragreich, intensiv duftend.
- Wird in der Aromatherapie, Küche und Kosmetik genutzt.
- Wichtige Bienenweide – zieht Bestäuber an.
- Essbarer Lavendel hat einen milderen Geschmack als Lavandula angustifolia und eignet sich besser für kulinarische Zwecke.
Bester Fundort in der Natur:
- Nicht wild vorkommend – eine Kulturhybride aus Südeuropa (Frankreich, Spanien).
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
✅ Gute Nachbarn:
- Andere mediterranen Kräuter (Rosmarin, Thymian, Salbei) – ähnliche Standortansprüche.
- Bienenfreundliche Pflanzen (Sonnenhut, Borretsch) – fördern Bestäubung.
- Trockenheitsresistente Stauden (Fetthenne, Katzenminze).
- Rosen – Lavendel hält Schädlinge wie Blattläuse fern.
❌ Schlechte Nachbarn:
- Pflanzen mit hohem Wasserbedarf (z. B. Hortensien, Astern).
- Starkzehrer (z. B. Kohl, Mais) – Konkurrenz um Nährstoffe.
- Schattenliebende Pflanzen (braucht volle Sonne).
Blütenbeschreibung:
- Farbe: Lila bis violett (intensiver als bei Lavandula angustifolia).
- Form: Ährenförmige Blütenstände (10–15 cm lang).
- Blütezeit: Juni–August (Hauptblüte im Hochsommer).
- Duft: Intensiv aromatisch, süßlich, typisch lavendelartig.
Blattbeschreibung:
- Form: Lanzettlich bis linealisch, 4–7 cm lang, 0,5 cm breit.
- Farbe: Silbrig-grün, leicht behaart.
- Besonderheit: Stärker duftend als Lavandula angustifolia.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Stamm: Verholzt, aufrecht bis buschig, bis zu 1 Meter hoch (in Kultur oft kleiner).
- Stiel: Vierkantig (typisch für Lippenblütler), hellbraun.
Samenbeschreibung:
- Samen: Klein, braun, eiförmig.
- Keimfähigkeit: 2–3 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung).
- Hinweis: Keimrate oft unzuverlässig – besser über Stecklinge oder Teilung vermehren.
Art der Wurzler:
- Tiefwurzelnd mit weitreichenden Seitenwurzeln (bis zu 1 m tief).
Geruch der Pflanze:
- Frische Blätter/Blüten: Intensiv aromatisch, süßlich, blumig-minzig.
- Getrocknete Blüten: Milder, aber lang anhaltender Duft.
Geschmack der Pflanze:
- Blätter: Mild-würzig, leicht bitter (nicht so intensiv wie bei Lavandula angustifolia).
- Blüten: Süßlich-blumig, leicht minzig.
- Achtung: Nicht übermäßig verzehren – kann in großen Mengen abführend wirken.
Lebenszeitspanne:
- Strauch: 5–10 Jahre (in Kultur oft länger durch Rückschnitt).
- Einzelne Triebe: Mehrjährig, verholzen mit der Zeit.
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
✅ Schädlinge/Risiken:
- Spinnmilben (bei trockener Luft).
- Blattläuse (selten).
- Echter Mehltau (bei feuchter Witterung).
✅ Gegenmaßnahmen:
- Vorbeugung: Ausreichender Pflanzabstand (50–60 cm) für gute Belüftung.
- Biologisch:
o Nützlinge (z. B. Raubmilben) fördern.
o Neemöl bei Befall.
- Mechanisch:
o Befallene Triebe entfernen.
o Mulchen mit Rinde oder Kies.
Keimer Art: Lichtkeimer (Samen brauchen Licht zum Keimen).
Keimdauer:14–28 Tage (langsam!).
Keimtemperatur: 18–22 °C (optimal).
Keimvorbereitung:
- Samen stratifizieren: 2–4 Wochen bei 4 °C (Kühlschrank) vor der Aussaat.
- Samen einweichen: 12 Stunden in lauwarmem Wasser.
Keimfähigkeit in Jahren: 2–3 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung).
Aussaatzeitraum:
- Vorkultur: Februar–März (im Haus oder Gewächshaus).
- Direktsaat: April–Mai (nach den Eisheiligen).
Aussaat Tiefe: 0,5 cm tief.
Abstand in der Reihe: 40–50 cm.
Abstand zur nächsten Pflanze: 50–60 cm (für buschigen Wuchs).
Samen pro Pflanzloch:
- 3–5 Samen (nur die stärksten Keimlinge behalten).
Bevorzugte Beet Art:
- Kräuterbeet, Duftpflanzenbeet, Steingarten, Kübel, Mediterranes Beet, Hecke.
Idealer Boden:
- Durchlässig, sandig-lehmig, trocken bis frisch.
- Keine schweren Lehmböden oder Staunässe!
- Steinige oder kiesige Böden werden bevorzugt.
pH-Wert des Bodens: 6,5–8,0 (neutral bis alkalisch).
Gießverhalten:
- Trockenheitsresistent! Nur bei längerer Trockenheit gießen.
- Keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).
Sonnenbedarf: Volle Sonne (mind. 6–8 Stunden täglich).
Düngereinsatz:
- Schwach Zehrer! Kein zusätzlicher Dünger nötig (außer bei extrem nährstoffarmen Böden).
- Empfohlener Dünger: Kompost oder Kräuterdünger (im Frühjahr).
Ist das Anhäufeln von Vorteil?
- ✅ Ja! Besonders bei jungen Pflanzen, um die Wurzeln zu schützen.
Ist eine Rankhilfe nötig? ❌ Nein (wächst strauchförmig).
Ist ein Spalier notwendig?
- ❌ Nein (außer bei speziellen Zuchtformen).
Krautzuordnung:
- Zierpflanze, Heilpflanze, Duftpflanze, Küchenpflanze, Bienenweide.
Mit Heilwirkung? ✅ Ja!
Wirkstoffe:
- Ätherische Öle (v. a. Linalool, Linalylacetat, Campher, Cineol).
- Gerbstoffe, Flavonoide, Kumarine.
- Vitamin A, C, Kalium, Calcium.
Anwendungsbereiche:
- Beruhigend (bei Stress, Schlafstörungen).
- Antiseptisch (z. B. in Salben oder Umschlägen).
- Verdauungsfördernd (bei Blähungen).
- Schmerzlindernd (z. B. bei Kopfschmerzen).
- Hautpflege (bei Ekzemen oder Insektenstichen).
Verabreichung:
- Tee (aus Blüten oder Blättern).
- Ätherisches Öl (für Aromatherapie oder Hautpflege).
- Essig oder Honig (mit Lavendel aromatisiert).
- Bäder (getrocknete Blüten im Badewasser).
Essbar: ✅ Ja! (Blüten und Blätter)
Welche essbaren Teile:
- Blüten (frisch oder getrocknet).
- Blätter (frisch oder getrocknet).
- Junge Triebe (in Maßen).
Giftig: ❌ Nein (außer bei Überdosierung – kann abführend wirken).
Verwechslungsgefahr mit:
⚠️ Achtung! Verwechslung möglich mit:
- Giftigen Doppelgängern:
- Gefleckter Schierling (Conium maculatum) – tödlich giftig! (Blätter ähnlich, aber Schierling hat keinen lavendelartigen Duft und wächst in feuchten Gebieten).
- Ungiftigen Doppelgängern:
- Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) – ähnliche Verwendung, aber kleinere Blüten.
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – ähnlicher Duft, aber andere Blattform.
Verwendung in der Küche:
- Backwaren: Lavendel-Zucker, Lavendel-Kekse, Lavendel-Brot.
- Getränke: Lavendel-Tee, Lavendel-Limonade, Lavendel-Sirup.
- Herzhafte Gerichte: Lavendel-Honig, Lavendel-Salz, Lavendel-Olivenöl.
- Desserts: Lavendel-Eis, Lavendel-Panna cotta, Lavendel-Marmelade.
- Kräutermischungen: Mit Thymian, Rosmarin oder Salbei.
Beste Haltbarmachung:
- Frische Blüten/Blätter:
o Trocknen (luftdicht, dunkel, kühl – Haltbarkeit: 1 Jahr).
o Einfrieren (in Eiswürfelformen mit Wasser oder Öl – Haltbarkeit: 6 Monate).
o Lavendel-Zucker (Blüten in Zucker einlegen – Haltbarkeit: mehrere Monate).
- Lavendel-Öl:
o Kühl und dunkel lagern (Haltbarkeit: 1 Jahr).
- Lavendel-Honig:
o Im Kühlschrank lagern (Haltbarkeit: 1 Jahr).
Lagerung der Pflanze:
- Frische Blüten/Blätter: Kühl und trocken lagern (Haltbarkeit: 1–2 Wochen).
- Getrocknete Blüten: Luftdicht, dunkel und trocken (Haltbarkeit: 1 Jahr).
- Pflanzen: Im Herbst zurückschneiden, bei Frost mit Vlies/Lauh schützen.
Das beste Rezept:
Lavendel-Zucker
Zutaten:
- 200 g Zucker,
- 2 EL getrocknete Lavendelblüten.
- Zucker und Blüten in einem Glas vermischen und
- 2 Wochen ziehen lassen.
- Sieben und in ein luftdichtes Glas füllen.
Die beste Speise:
Lavendel-Honig-Kuchen
- Teig aus Mehl,
- Butter,
- Honig und
- Lavendelblüten backen.
Das beste Getränk:
Lavendel-Limonade
- 1 Liter Wasser,
- Saft von 2 Zitronen,
- 3 EL Lavendel-Sirup,
- Eiswürfel und
- Minzblätter mixen.
Die beste Beilage:
Lavendel-Kartoffeln
- Kartoffeln mit
- Olivenöl,
- Salz,
- Pfeffer und
- Lavendelblüten im Ofen backen.
10 Unterarten/Zuchtformen in Europa (deutscher und botanischer Name):
- Essbarer Lavendel – Lavandula × intermedia (Hybride)
- Grosso – Lavandula × intermedia ‘Grosso’ (hoher Ertrag)
- Super – Lavandula × intermedia ‘Super’ (intensiver Duft)
- Abrialis – Lavandula × intermedia ‘Abrialis’ (kompakt)
- Alba – Lavandula × intermedia ‘Alba’ (weiße Blüten)
- Impress Purple – Lavandula × intermedia ‘Impress Purple’ (dunkelviolette Blüten)
- Old English – Lavandula × intermedia ‘Old English’ (traditionelle Sorte)
- Ragtime – Lavandula × intermedia ‘Ragtime’ (frühe Blüte)
- Seal – Lavandula × intermedia ‘Seal’ (dicht wachsend)
- Dutch – Lavandula × intermedia ‘Dutch’ (robuste Sorte)
Drei häufig vorkommende Unterarten/Zuchtformen in Europa:
- Lavandula × intermedia ‘Grosso’ (hoher Ertrag)
- Lavandula × intermedia ‘Super’ (intensiver Duft)
- Lavandula × intermedia ‘Alba’ (weiße Blüten)
Drei seltenste Unterarten/Zuchtformen in Europa:
- Lavandula × intermedia ‘Impress Purple’ (dunkelviolette Blüten)
- Lavandula × intermedia ‘Ragtime’ (frühe Blüte)
- Lavandula × intermedia ‘Seal’ (dicht wachsend)
Die drei ältesten Unterarten (botanisch/historisch):
- Lavandula angustifolia (Echter Lavendel, seit der Antike genutzt)
- Lavandula latifolia (Breitblättriger Lavendel, traditionell in Südeuropa)
- Lavandula × intermedia (Hybride, seit dem 19. Jahrhundert bekannt)
Guter Nachbar:
✅ Empfohlene Mischkulturen:
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
- Thymian (Thymus vulgaris)
- Salbei (Salvia officinalis)
- Rosen (hält Schädlinge fern)
- Sonnenhut (Echinacea) (bienenfreundlich)
✅ Schlechter Nachbar:
- Starkzehrer (z. B. Kohl, Mais),
- Pflanzen mit hohem Wasserbedarf (z. B. Hortensien, Astern),
- Schattenliebende Pflanzen.
✅ Beste Mischkulturen:
- Lavendel + Rosmarin + Thymian (mediterranes Beet, trockenheitsresistent),
- Lavendel + Rosen (Schädlingsabwehr und Optik),
- Lavendel + Sonnenhut (bienenfreundliche Kombination).
Quellennachweis:
- Botanische Daten: Lamiaceae – Enzyklopädie der Nutz- und Zierpflanzen (H. Walter, 2005), Royal Botanic Gardens Kew (Datenbank).
- Anbauempfehlungen: Duftpflanzen für Garten und Balkon (G. Pignatti, 2008), Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (BLE).
- Heilwirkung: Heilpflanzen der Volksmedizin (J. Reichling et al., 2007), EMA-Monographien (Europäische Arzneimittel-Agentur).
- Küchenverwendung: Kräuter und Gewürze – Anbau und Rezepte (A. Müller, 2009), Aromatherapie für zu Hause (V. Maier, 2006).