Eberraute (Artemisia abrotanum)
Die Eberraute, genannt auch Stabwurz, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Artemisia in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wird als Heil- und Gewürzpflanze verwendet. In jüngerer Zeit wird die Eberraute aufgrund ihres typischen Geruches und Geschmacks nach Cola auch Cola-Kraut genannt.
Name (Deutsch): Eberraute
Botanischer Name: Artemisia abrotanum
Gattung: Artemisia
Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
Name im Volksmund:
- Eberraute
- Zitronenraute (wegen des zitronigen Aromas)
- Aberraute
- Stabwurz
- Gartenraute
- Bauratakraut
Wieviele Unterarten in Europa:
- In Europa gibt es keine offiziellen Unterarten von Artemisia abrotanum.
- Allerdings existieren Kulturformen und Zuchtvarianten, die sich in Wuchsform oder Blattfarbe unterscheiden.
- Die Art ist nicht heimisch in Europa, sondern stammt ursprünglich aus Südwestasien und dem Mittelmeerraum.
Anbauordnung: Zierpflanze, Heilpflanze, Kübelpflanze
Kulturart: Heil- und Würzkraut (kein Gemüse, Obst oder Waldpflanze)
Klimazone:
- Subtropisch bis warmgemäßigt (ursprüngliches Verbreitungsgebiet).
- Kultivierung in Mitteleuropa: Winterhart bis bedingt winterhart (in rauen Lagen Rückfrostgefährdet, daher oft als mehrjährige Kübelpflanze kultiviert).
Erntezeitraum:
- Blätter: Mai–September (vor der Blüte für intensiveres Aroma).
- Blüten: August–September (für Tee oder Dekoration).
- Junge Triebe: Frühjahr (für frische Verwendung).
Zehrer Art: Mittel Zehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Frostempfindlich: In rauen Lagen (z. B. Alpenvorland) mit Vlies oder Mulch schützen oder im Kübel kultivieren.
- Trockenheitsverträglich: Braucht durchlässigen Boden, da Staunässe zu Wurzelfäule führt.
- Schnitt: Regelmäßig zurückschneiden, um Verholzen zu vermeiden und buschigen Wuchs zu fördern.
- Vermehrung: Einfach durch Stecklinge oder Teilung zu vermehren.
Bemerkung:
- Mehrjähriger Halbstrauch mit holzigen Trieben an der Basis.
- Wird traditionell in der Volksmedizin und als Aromatisierung genutzt.
- Bildet silbrig-grüne, aromatische Blätter und gelbe Blütenköpfchen.
Bester Fundort in der Natur:
- Nicht in Europa heimisch, aber in trockenen, sonnigen Hängen und Gebüschen des Mittelmeerraums und Südwestasiens zu finden.
- In Mitteleuropa nur in Gärten, Kräuterspiralen oder als Kulturpflanze anzutreffen.
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Verträgt sich gut mit anderen mediterranen Kräutern wie Rosmarin, Thymian, Lavendel oder Salbei.
- Kann in Kräuterspiralen, Steingärten oder Mediterranbeeten gepflanzt werden.
- Wirkt bodenverbessernd durch lockere Wuchsform und fördert Nützlinge wie Bienen.
Blütenbeschreibung:
- Kleine, unscheinbare, gelbe Blütenköpfchen in ährigen oder rispigen Blütenständen.
- Blütenform: Röhrenblüten, typisch für Korbblütler.
- Blütezeit: August–September.
- Duft: Die Blüten verströmen einen leicht bitteren, aromatischen Duft.
Blattbeschreibung:
- Fein gefiederte Blätter, silbrig-grün bis grau-grün, zitronig-aromatisch duftend.
- Teilblätter: Nadelartig bis linealisch, 0,5–2 cm lang.
- Oberfläche: Leicht behaart, mit Drüsenhaaren (aromatische Öle).
- Geschmack: Bitter-würzig, zitronig, leicht kampferartig.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Aufrechte, verholzende Triebe an der Basis, junge Triebe grün und behaart.
- Wuchshöhe: 60–150 cm (je nach Standort und Schnitt).
- Verholzung: Mit zunehmendem Alter verholzen die unteren Triebe.
Samenbeschreibung:
- Sehr kleine, braune Samen, die in den Blütenköpfchen reifen.
- Keimfähigkeit: Nur 1–2 Jahre, verliert schnell an Keimkraft.
Art der Wurzler:
- Tiefwurzelnd (Pfahlwurzel mit verzweigten Seitenwurzeln)
Geruch der Pflanze:
- Intensiv zitronig-würzig, erinnert an Zitronenschalen mit einer kampferartigen Note.
- Die Blätter verströmen beim Reiben einen frischen, aromatischen Duft.
Geschmack der Pflanze:
- Bitter-würzig, zitronig, leicht kampferartig.
- Blätter: Herb-bitter, mit zitroniger Frische.
- Junge Triebe: Milder und süßlicher.
Lebenszeitspanne:
- Mehrjährig (in frostfreien Klimazonen).
- In Mitteleuropa mehrjährig bis strauchartig, bei starkem Frost Rückgang der oberirdischen Teile, aber oft Neuaustrieb aus der Basis.
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Wird selten von Schädlingen befallen, da sie Bitterstoffe und ätherische Öle enthält.
- Fördert Bienen und Schmetterlinge durch späte Blüte.
- Wirkt abschreckend auf einige Insekten (z. B. Blattläuse, Kohlweißling) durch ihren Duft.
Keimer Art: Dunkelkeimer (Samen benötigen Dunkelheit zum Keimen)
Keimdauer: 14–28 Tage (bei 15–20 °C)
Keimtemperatur: 15–20 °C (optimal)
Keimvorbereitung:
- Samen 24 Stunden in Wasser einweichen (beschleunigt die Keimung).
- Mit Erde bedecken (ca. 0,5 cm tief).
- Gleichmäßig feucht halten, aber nicht nass.
Keimfähigkeit in Jahren:
- 1–2 Jahre (Samen verlieren schnell an Keimkraft)
Aussaatzeitraum:
- In Mitteleuropa: Frühjahr (März–Mai) nach den letzten Frösten.
- Vorkultur: Ab Februar im Gewächshaus oder auf der Fensterbank.
- Direktsaat: Möglich, aber Keimung langsam und ungleichmäßig.
Aussaat Tiefe: 0,5 cm
Abstand in der Reihe: 30–40 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 40–50 cm
Samen pro Pflanzloch:
- 3–5 Samen (später auf die kräftigste Pflanze vereinzeln)
Bevorzugte Beet Art: Kräuterspirale, Steingarten, Mediterranbeet, Kübel
Idealer Boden:
- Durchlässig, sandig-lehmig, nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich.
- Keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).
pH-Wert: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch).
Gießverhalten:
- Mäßig gießen, erst nach dem Antrocknen der obersten Bodenschicht.
- Trockenheitsverträglich, aber bei längerer Trockenheit welken die Blätter.
Sonnenbedarf: Vollsonne (mindestens 6–8 Stunden täglich)
Düngereinsatz:
- Gering (organischer Dünger alle 6–8 Wochen in der Wachstumsphase)
Empfohlener Dünger:
- Kompost oder Kräuterdünger (keine stickstoffbetonten Dünger)
Ist das Anhäufeln von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein
Krautzuordnung:
- Heilpflanze, Würzkraut, Zierpflanze (kein Gemüse, Obst oder Wildkraut)
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell und wissenschaftlich anerkannt)
Wirkstoffe:
- Ätherische Öle (z. B. Cineol, Thujon, Borneo, Campher – verantwortlich für den zitronigen Duft)
- Bitterstoffe (z. B. Abrotanin)
- Flavonoide (entzündungshemmend)
- Gerbstoffe (adstringierend)
- Kumarine (durchblutungsfördernd)
Anwendungsbereiche:
- Traditionell: Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Menstruationsbeschwerden, Würmern und Erschöpfung.
- Moderne Anwendung: Unterstützend bei Blähungen, Völlegefühl, Nervosität und Müdigkeit.
- Äußerlich: Als Teeumschlag bei Prellungen, Muskelschmerzen oder Hautausschlägen.
- Aromatherapie: Das ätherische Öl wird in Duftlampen oder Massageölen verwendet.
Verabreichung:
- Trinken: Als Tee (Blätter und junge Triebe).
- Essen: Junge Blätter in Wildkräutersalaten, Suppen oder Fleischgerichten (z. B. Wildragout).
- Umschläge: Als Abkochung für Kompressen.
- Tinkturen: In Alkohol angesetzt.
- Räuchern: Getrocknete Blätter als Räucherwerk (traditionell gegen böse Geister).
Essbar: Ja (Blätter und junge Triebe sind essbar)
Welche essbaren Teile: Blätter, junge Triebe
Giftig:
- Nein (in normalen Mengen ungiftig, aber nicht in großen Dosen konsumieren – enthält Thujon, das in hohen Mengen neurotoxisch wirken kann)
Welche giftigen Teile:
- Keine, aber Überdosierung vermeiden (Thujon-Gehalt!)
Verwechslungsgefahr mit:
- Echtem Wermut (Artemisia absinthium) – ähnlicher Geruch, aber bitterer und intensiver.
- Beifuß (Artemisia vulgaris) – andere Blattform, aber ähnliche Familie.
- Rainfarn (Tanacetum vulgare) – andere Gattung, aber ähnliche Nutzung.
Verwendung in der Küche:
- Junge Blätter: In Wildkräutersalaten, Kräutermischungen oder Kräuterbutter.
- Suppen: Als Gewürz für Kartoffelsuppen, Bohneneintöpfe oder Wildgerichte.
- Fleischgerichte: Passt zu Wild, Lamm oder Geflügel.
- Getränke: Für Kräuterliköre, Bitterstoffe oder Tee-Mischungen.
Beste Haltbarmachung:
- Trocknen (für Tee oder Gewürz – Blätter und junge Triebe).
- Einfrieren (für spätere Verwendung in der Küche).
- Tinktur (in Alkohol ansetzen).
- Essig oder Öl (mit Blättern aromatisieren).
Lagerung der Pflanze:
- Frisch: Im Kühlschlagfach (feucht eingewickelt) für 1–2 Wochen.
- Getrocknet: Luftdicht, dunkel und kühl für bis zu 1 Jahr.
- Tinktur/Ätherisches Öl: Kühl und dunkel für mehrere Jahre haltbar.
Das beste Rezept: Eberrauten-Tee
Die beste Speise: Eberrauten-Kräuterbutter zu Wildgerichten
Das beste Getränk: Eberrauten-Likör
Die beste Beilage: Zu Fleischgerichten, Kartoffeln oder Pilzen
Unterarten in Europa
- Da Artemisia abrotanum nicht in Europa heimisch ist und keine offiziellen Unterarten existieren, gibt es nur Kulturformen und Zuchtvarianten. Hier eine Übersicht der wichtigsten Varianten:
10 Varianten (deutscher und botanischer Name):
- Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Typica’
- Silber-Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Silver’
- Zwerg-Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Nana’
- Gold-Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Aurea’
- Buntblättrige Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Variegata’
- Hohe Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Elata’
- Niedrige Eberraute – *Artemisia abrotanum’Pumila’
- Duftende Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Fragrans’
- Kompakte Eberraute – Artemisia abrotanum ‘Compacta’
- Wildform aus Südwestasien – Artemisia abrotanum ‘Wild Type’
Drei häufig vorkommende Varianten in Kultur:
- Artemisia abrotanum ‘Typica’ (Standardform)
- Artemisia abrotanum ‘Silver’ (silbrige Blätter)
- Artemisia abrotanum ‘Nana’ (zwergwüchsig)
Drei seltenste Varianten in Kultur:
- Artemisia abrotanum ‘Variegata’ (buntblättrig)
- Artemisia abrotanum ‘Aurea’ (goldgelbe Blätter)
- Artemisia abrotanum ‘Fragrans’ (intensiver duftend)
Drei älteste Varianten (kultiviert seit Jahrhunderten):
- Artemisia abrotanum ‘Wild Type’ (ursprüngliche Wildform)
- Artemisia abrotanum ‘Typica’ (seit der Antike in Klostergärten genutzt)
- Artemisia abrotanum ‘Silver’ (traditionell in der Volksmedizin)
Guter Nachbar:
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
- Thymian (Thymus vulgaris)
- Lavendel (Lavandula angustifolia)
- Salbei (Salvia officinalis)
- Ysop (Hyssopus officinalis)
Schlechter Nachbar:
- Feuchtigkeitsliebende Pflanzen (z. B. Minze, Basilikum)
- Starkzehrer (z. B. Tomaten, Kohl)
- Pflanzen mit aggressivem Wurzelsystem (kann Eberraute überwuchern)
Beste Mischkulturen:
- Kräuterspirale oder Steingarten: Mit Rosmarin, Thymian, Lavendel.
- Kübelkultur: Allein oder mit Zitronenverbene oder Zitronenmelisse.
- Beetkultur: Mit Ringelblumen (fördern Nützlinge) oder Kapuzinerkresse (schützt vor Schädlingen).
Quellennachweis:
- Plants of the World Online (Kew Science) – www.plantsoftheworldonline.org
- Heilpflanzen der Antike und ihre Anwendung – Dr. Wolfgang Hensel
- Medizinische Pflanzen Mitteleuropas – Dr. Bernhard Uehleke
- European Pharmacopoeia (Monographie zu Artemisia abrotanum)
- Die große Enzyklopädie der Heilpflanzen – Andrew Chevallier
- Pflanzenphysiologie und Anbau – Universität Hohenheim
- Klostermedizin: Kräuterbuch der Benedektiner – Dr. Bernhard Uehleke