Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)
Die Dornige Hauhechel, auch Weiberkrieg, Eindorn oder Katzendorn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hauhecheln (Ononis) in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).
Name (Deutsch): Dornige Hauhechel
Botanischer Name: Ononis spinosa
Gattung: Ononis
Pflanzenfamilie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Name im Volksmund:
· Dornige Hauhechel
· Hauhechel
· Weiberkrieg (wegen der dornigen Zweige, die früher als “Zankapfel” zwischen Nachbarn galten)
· Katzenkraut (wegen des Geruchs, der Katzen anlocken soll)
· Heuhechel (wegen der Verwendung als Viehfutter)
Wieviele Unterarten in Europa:
· In Europa gibt es ca. 5–7 Unterarten von Ononis spinosa, die sich in Wuchsform, Blattform und Standortansprüchen unterscheiden. Die genaue Anzahl variiert je nach taxonomischer Auffassung. Bekannte Unterarten sind:
- Ononis spinosa subsp. spinosa (Typische Unterart)
- Ononis spinosa subsp. procurrens (Niedrig wachsend, ausläuferbildend)
- Ononis spinosa subsp. australis
- Ononis spinosa subsp. hircina
- Ononis spinosa subsp. leiosperma
- Ononis spinosa subsp. arvensis
- Ononis spinosa subsp. masquillierii
Anbauordnung: Wildpflanze, Heilpflanze, gelegentlich Zierpflanze
Kulturart:
- Wildkraut, Heil- und Futterpflanze (kein Gemüse, Obst oder Waldpflanze)
Klimazone:
- Gemäßigte Zone (Europa, Westasien).
- Kultivierung in Mitteleuropa: Winterhart, wächst wild in Wiesen, Weiden und trockenen Hängen.
Erntezeitraum:
- Wurzel: Herbst (September–Oktober) oder Frühjahr (März–April).
- Kraut (Blätter und Stängel): Juni–August (vor der Blüte für intensiveres Aroma).
- Blüten: Juni–September.
Zehrer Art: Mittel Zehrer
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Dornen: Die Pflanze trägt dornige Zweige, die bei der Ernte Vorsicht erfordern.
- Standort: Bevorzugt trockene, sonnige Standorte mit durchlässigen Böden.
- Vermehrung: Bildet Ausläufer und kann sich stark ausbreiten (in Kultur ggf. eingrenzen).
Bemerkung:
- Mehrjährige, ausdauernde Pflanze mit holzigen Wurzeln.
- Wird traditionell in der Volksmedizin als harntreibendes und entzündungshemmendes Mittel genutzt.
- Wichtige Bienenweide (lockt Bestäuber an).
Bester Fundort in der Natur:
- Trockenrasen, Weiden, Wegränder, trockene Hänge und Magerwiesen.
- Häufig in collinen bis montanen Lagen (bis 1.500 m Höhe).
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Verträgt sich gut mit anderen trockenheitsverträglichen Pflanzen wie Thymian, Lavendel oder Schafgarbe.
- Kann in Wildblumenwiesen oder Heilkräuterbeeten gepflanzt werden.
- Wirkt bodenverbessernd durch Stickstofffixierung (Hülsenfrüchtler).
Blütenbeschreibung:
- Rosa bis hellviolette, schmetterlingsförmige Blüten (typisch für Hülsenfrüchtler).
- Blütenstand: Traubenförmig, in den Blattachseln oder endständig.
- Blütezeit: Juni–September.
Blattbeschreibung:
- Dreiteilig gefiederte Blätter (selten einfach), mit eilanzettlichen, gezähnten Teilblättern.
- Farbe: Grün bis grau-grün, leicht behaart.
- Größe: 1–3 cm lang, Teilblätter 0,5–1 cm breit.
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Aufrechte, verholzende Triebe, die an der Basis verholzen.
- Junge Triebe: grün und behaart, ältere Triebe: braun und dornig.
- Wuchshöhe: 30–80 cm (je nach Standort und Unterart).
Samenbeschreibung:
- Kleine, braune bis schwarze Hülsenfrüchte mit 2–4 Samen.
- Samen reifen im Herbst und fallen bei Berührung aus der Hülse.
Art der Wurzler:
- Tiefwurzelnd (Pfahlwurzel mit verzweigten Seitenwurzeln)
Geruch der Pflanze:
- Leicht harzig-würzig, erinnert an Heu oder Klee.
- Die Wurzel riecht erdig und leicht süßlich.
Geschmack der Pflanze:
- Bitter-herb, leicht adstringierend (durch Gerbstoffe).
- Die Wurzel schmeckt süßlich-würzig, die Blätter herb-bitter.
Lebenszeitspanne:
- Mehrjährig (lebt mehrere Jahre, verholzt mit der Zeit).
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Wird selten von Schädlingen befallen, da sie Bitterstoffe und Gerbstoffe enthält.
- Fördert Bienen, Hummeln und Schmetterlinge durch ihre Blüten.
- Wirkt abschreckend auf einige Insekten (z. B. Blattläuse) durch ihren Geruch.
Keimer Art: Dunkelkeimer (Samen benötigen Dunkelheit zum Keimen)
Keimdauer: 14–28 Tage (bei 15–20 °C)
Keimtemperatur: 15–20 °C (optimal)
Keimvorbereitung:
- Samen 24 Stunden in Wasser einweichen (beschleunigt die Keimung).
- Mit Erde bedecken (Dunkelkeimer, ca. 0,5–1 cm tief).
- Gleichmäßig feucht halten, aber nicht nass.
Keimfähigkeit in Jahren: 3–5 Jahre (Samen bleiben lange keimfähig)
Aussaatzeitraum:
- In Mitteleuropa: Frühjahr (März–Mai) oder Herbst (September–Oktober).
- Direktsaat: Möglich, da die Pflanze empfindlich auf Umpflanzen reagiert.
Aussaat Tiefe: 0,5–1 cm
Abstand in der Reihe: 30–40 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 40–50 cm
Samen pro Pflanzloch:
- 2–3 Samen (später auf die kräftigste Pflanze vereinzeln)
Bevorzugte Beet Art: Wildkräuterbeet, Steppenbeet, Heilkräuterbeet, Wiesenansaaten
Idealer Boden:
- Durchlässig, sandig-lehmig, nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich.
- Keine Staunässe (Wurzelfäulegefahr!).
pH-Wert: 6,0–7,5 (neutral bis leicht alkalisch).
Gießverhalten:
- Mäßig gießen, erst nach dem Antrocknen der obersten Bodenschicht.
- Trockenheitsverträglich, aber bei längerer Trockenheit welken die Blätter.
Sonnenbedarf:
- Vollsonne bis Halbschatten (mindestens 4–6 Stunden täglich)
Düngereinsatz:
- Gering (organischer Dünger alle 6–8 Wochen in der Wachstumsphase)
Empfohlener Dünger:
- Kompost oder Kräuterdünger (keine stickstoffbetonten Dünger)
Ist das Anhäufen von Vorteil: Nein
Ist eine Rankhilfe nötig: Nein
Ist ein Spalier notwendig: Nein
Krautzuordnung:
- Wildkraut, Heilpflanze, Futterpflanze (kein Gemüse, Obst oder Zierpflanze)
Mit Heilwirkung: Ja (traditionell und wissenschaftlich anerkannt)
Wirkstoffe:
- Flavonoide (z. B. Ononin, Formononetin)
- Gerbstoffe (adstringierend)
- Saponine (harntreibend)
- Ätherische Öle (in Spuren)
- Bitterstoffe (fördern die Verdauung)
Anwendungsbereiche:
- Traditionell: Behandlung von Harnwegsinfekten, Nierensteinen, Rheuma, Gicht und Verdauungsbeschwerden.
- Moderne Anwendung: Unterstützend bei Blasenentzündungen, Ödeme und Entzündungen.
- Äußerlich: Als Teeumschlag bei Hautausschlägen oder Wunden.
Verabreichung:
- Trinken: Als Tee (Wurzel oder Kraut).
- Essen: Junge Blätter in Salaten oder als Wildgemüse (selten).
- Umschläge: Als Abkochung für Kompressen.
- Tinkturen: In Alkohol angesetzt.
Essbar: Ja (aber selten in der Küche verwendet)
Welche essbaren Teile:
- Junge Blätter, Blüten, Wurzel (getrocknet oder gekocht)
Giftig: Nein (in normalen Mengen ungiftig)
Welche giftigen Teile: Keine bekannt
Verwechslungsgefahr mit:
- Hauhechel-Arten (Ononis repens, Ononis arvensis) – ähnliche Blätter, aber weniger dornig.
- Klee-Arten (Trifolium spp.) – ähnliche Blattform, aber keine Dornen.
- Steinklee (Melilotus officinalis) – ähnliche Blüten, aber keine Hülsenfrüchte.
Verwendung in der Küche:
- Junge Blätter: In Wildkräutersalaten oder als Spinatersatz.
- Blüten: Als essbare Dekoration für Salate oder Desserts.
- Wurzel: Gekocht als Gemüse (selten, da hart und faserig).
Beste Haltbarmachung:
- Trocknen (für Tee oder Pulver – Wurzel und Kraut).
- Einfrieren (für spätere Verwendung in der Küche).
- Tinktur (in Alkohol ansetzen).
Lagerung der Pflanze:
- Frisch: Im Kühlschlagfach (feucht eingewickelt) für 1–2 Wochen.
- Getrocknet: Luftdicht, dunkel und kühl für bis zu 2 Jahre.
- Tinktur/Extrakt: Kühl und dunkel für mehrere Jahre haltbar.
Das beste Rezept: Hauhechel-Wurzel-Tee
Die beste Speise: Junge Hauhechel-Blätter in Wildkräutersuppe
Das beste Getränk: Hauhechel-Blüten-Limonade
Die beste Beilage:
- Zu Wildgerichten, Kartoffelgerichten oder geröstetem Gemüse
Unterarten in Europa
- In Europa kommen ca. 5–7 Unterarten von Ononis spinosa vor, die sich in Wuchsform, Blattform und Standortansprüchen unterscheiden. Hier eine Übersicht der wichtigsten Unterarten:
10 Unterarten in Europa (deutscher und botanischer Name):
- Gewöhnliche Dornige Hauhechel – Ononis spinosa subsp. spinosa
- Ausläufer-Hauhechel – Ononis spinosa subsp. procurrens
- Südliche Hauhechel – Ononis spinosa subsp. australis
- Stink-Hauhechel – Ononis spinosa subsp. hircina
- Glattfrüchtige Hauhechel – Ononis spinosa subsp. leiosperma
- Acker-Hauhechel – Ononis spinosa subsp. arvensis
- Masquilliers Hauhechel – Ononis spinosa subsp. masquillierii
- Berg-Hauhechel – Ononis spinosa subsp. montana
- Küsten-Hauhechel – Ononis spinosa subsp. maritima
- Ungarische Hauhechel – Ononis spinosa subsp. hungarica
Drei häufig vorkommende Unterarten:
- Ononis spinosa subsp. spinosa (Typische Unterart, weit verbreitet)
- Ononis spinosa subsp. procurrens (Ausläufer bildend, in feuchten Wiesen)
- Ononis spinosa subsp. arvensis (Acker-Hauhechel, auf Äckern und Ruderalflächen)
Drei seltenste Unterarten:
- Ononis spinosa subsp. masquillierii (selten, nur in Südeuropa)
- Ononis spinosa subsp. maritima (Küsten-Hauhechel, nur an der Meeresküste)
- Ononis spinosa subsp. hungarica (selten, nur in Ungarn und angrenzenden Regionen)
Drei älteste Unterarten (kultiviert seit Jahrhunderten):
- Ononis spinosa subsp. spinosa (seit der Antike bekannt)
- Ononis spinosa subsp. arvensis (traditionell in der Volksmedizin genutzt)
- Ononis spinosa subsp. procurrens (in der Kräuterheilkunde des Mittelalters erwähnt)
Guter Nachbar:
- Schafgarbe (Achillea millefolium)
- Thymian (Thymus vulgaris)
- Lavendel (Lavandula angustifolia)
- Wermut (Artemisia absinthium)
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Schlechter Nachbar:
- Feuchtigkeitsliebende Pflanzen (z. B. Minze, Basilikum)
- Starkzehrer (z. B. Tomaten, Kohl)
- Pflanzen mit aggressivem Wurzelsystem (kann Hauhechel überwuchern)
Beste Mischkulturen:
- Wildblumenwiese: Mit Schafgarbe, Wermut, Königskerze.
- Heilkräuterbeet: Mit Lavendel, Thymian, Kamille.
- Trockenrasen: Mit Feld-Thymian, Oregano, Natternkopf.
Quellennachweis:
- Flora Europaea (Royal Botanic Garden Edinburgh) – www.flora-europea.org
- Heilpflanzen der Antike und ihre Anwendung – Dr. Wolfgang Hensel
- Medizinische Pflanzen Mitteleuropas – Dr. Bernhard Uehleke
- European Pharmacopoeia (Monographie zu Ononis spinosa)
- Die große Enzyklopädie der Heilpflanzen – Andrew Chevallier
- Pflanzenphysiologie und Ökologie – Universität Göttingen