Polei-Minze (Mentha pulegium)
Die Polei-Minze (Mentha pulegium) ist eine intensiv duftende, mehrjährige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist bekannt für ihren kampferartigen, minzigen Geruch und ihren herben, bitteren Geschmack. Achtung: Die Polei-Minze enthält den Wirkstoff Pulegon, der in hohen Dosen giftig sein kann. Sie wird traditionell in der Volksmedizin, aber auch in der Küche (sparsam!) verwendet.
Systematik und Grunddaten
Name (Deutsch): Polei-Minze
Botanischer Name: Mentha pulegium
Gattung: Mentha
Pflanzenfamilie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Name im Volksmund: Polei, Flohkraut, Pfefferpolei, Flöhminze
Anzahl Unterarten in Europa: 5
Anbauordnung: Kulturpflanze, Zierpflanze, Wildpflanze, Heilpflanze
Kulturart: Kräuter, Heilpflanze
Klimazone: Gemäßigte Zone (Europa: Klimazonen 6–9)
Erntezeitraum:
- Juni bis September (Blätter und Triebspitzen vor der Blüte ernten)
Zehrer-Art: Mittel Zehrer (benötigt nährstoffreichen, feuchten Boden)
Wichtiger Hinweis zur Pflanze:
- Enthält Pulegon – in hohen Dosen giftig (nicht für Schwangere, Kinder oder bei Lebererkrankungen geeignet!).
- Stark ausbreitend – Wurzelsperre oder Kübelkultur empfohlen.
Bemerkung:
- Winterhart, mehrjährig, duftet intensiv nach Kampfer.
- Wird von Bienen und Schmetterlingen besucht.
Bester Fundort in der Natur:
- Feuchte Wiesen, Bachufer, Teichränder, Wegränder (Südeuropa, Westasien).
Beipflanzung und ihre Auswirkung:
- Gute Nachbarn: Kamille, Kapuzinerkresse, Borretsch (fördern Gesundheit, vertreiben Schädlinge).
- Schlechte Nachbarn: Andere Minzarten (Kreuzbestäubung, Geschmacksveränderung).
- Beste Mischkulturen: Kräuterbeete, Feuchtbiotope, Teichumrandungen.
Botanische Beschreibung
Blütenbeschreibung:
- Farbe: Hellviolett bis rosa
- Form: Kleine, glockenförmige Lippenblüten in dichten, kugeligen Ähren
- Blütezeit: Juli bis September
Blattbeschreibung:
- Form: Rundlich bis eiförmig, gezackter Blattrand
- Größe: 1–3 cm lang, 0,5–2 cm breit
- Oberfläche: Dunkelgrün, glänzend, leicht behaart
Stamm-/Stielbeschreibung:
- Form: Vierkantig (typisch für Lippenblütler), rötlich überlaufen
- Höhe: 20–50 cm
Samenbeschreibung:
- Form: Klein, braun, nussförmig
- Größe: < 1 mm
Wurzler-Art: Flachwurzler (bildet Ausläufer)
Ökologische und praktische Hinweise
Geruch der Pflanze: Intensiv kampferartig, minzig, scharf
Geschmack der Pflanze:
- Herb, bitter, scharf (nicht so mild wie andere Minzen!)
Lebenszeitspanne: Mehrjährig (3–8 Jahre, je nach Standort)
Ökologische Schädlingsbekämpfung:
- Lockt Bestäuber (Bienen, Schwebfliegen) an.
- Vertreibt Flohkäfer und Motten (daher der Name “Flöhminze”).
- Fördert Nützlinge wie Raubmilben und Marienkäfer.
Keimer-Art: Lichtkeimer (Samen nicht bedecken, nur andrücken).
Keimdauer: 10–20 Tage (langsam und unregelmäßig).
Keimtemperatur: 15–22 °C
Keimvorbereitung: Samen 48 Stunden in Wasser einweichen.
Keimfähigkeit: 1–2 Jahre (bei trockener, kühler Lagerung).
Aussaatzeitraum:
- März bis Mai (Vorkultur) oder April bis Juni (Direktsaat).
Aussaat-Tiefe: 0,5 cm (Samen nur leicht andrücken).
Abstand in der Reihe: 20 cm
Abstand zur nächsten Pflanze: 30 cm (wegen Ausbreitungstendenz).
Samen pro Pflanzloch:
- 2–3 Samen (übrigbleibende Keimlinge später entfernen).
Bevorzugte Beet-Art: Kräuterspirale, Hochbeet, Topfkultur
Idealer Boden: Feucht, humusreich, leicht sandig-lehmig,
pH-Wert 6,0–7,5.
Gießverhalten: Gleichmäßig feucht halten – verträgt keine Trockenheit.
Sonnenbedarf: Sonnig bis halbschattig (mind. 4–6 Stunden Sonne/Tag).
Düngereinsatz:
- Kompost oder organischer Kräuterdünger alle 6–8 Wochen.
Empfohlener Dünger: Brennnesseljauche, Hornspäne, Kaffeesatz
Anhäufeln von Vorteil: Ja (fördert Wurzelbildung).
Rankhilfe nötig: Nein
Spalier nötig: Nein
Krautzuordnung: Würz- und Heilkraut
Mit Heilwirkung: Ja (aber nur in Maßen und unter ärztlicher Aufsicht!)
Wirkstoffe:
- Pulegon (Hauptwirkstoff, giftig in hohen Dosen!), Menthol, Menthon, Flavonoide
Anwendungsbereiche:
- Innerlich: Nur in homöopathischen Dosen oder traditionell (z. B. Tee bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen).
- Äußerlich: Ätherisches Öl (verdünnt!) bei Muskelverspannungen oder rheumatischen Beschwerden.
Verabreichung:
- Nur äußerlich oder homöopathisch – nicht in der Schwangerschaft oder für Kinder!
Essbar:
- Ja, aber mit Vorsicht! (Nur in geringen Mengen und nicht für Schwangere oder Kinder geeignet.)
Essbare Teile:
- Blätter, junge Triebe (Achtung: Geschmack ist sehr herb und scharf!)
Giftig: Ja (durch den hohen Pulegon-Gehalt!)
Giftige Teile: Alle Pflanzenteile (besonders Blätter und ätherisches Öl)
Verwechslungsgefahr mit:
- Pfefferminze (Mentha × piperita) – ähnlicher Geruch, aber milder.
- Krauseminze (Mentha crispa) – gekrauste Blätter.
- Wasserminze (Mentha aquatica) – größere, weniger scharfe Blätter.
Verwendung in der Küche
- Sehr sparsam in der traditionellen Küche (z. B. in Marokko für Tee).
- Nicht für den regelmäßigen Verzehr geeignet!
Beispiele:
Polei-Tee
o 1 TL getrocknete Blätter mit
o 250 ml heißem Wasser übergießen,
o max. 3 Min. ziehen lassen.
Gewürz
o für herzhafte Gerichte (z. B. Lamm oder Eintöpfe – nur in winzigen Mengen!).
Haltbarmachung und Lagerung
Beste Haltbarmachung:
- Trocknen (dunkel, luftig, 30–40 °C).
- Einfrieren (in Eiswürfelformen mit Wasser).
Lagerung der Pflanze:
- Frisch: Im Kühlschlagfach (feuchtes Tuch um die Stiele).
- Getrocknet: In luftdichten Gläsern, dunkel und trocken.
Rezepte
Bestes Rezept:
Polei-Tee (nur in homöopathischen Dosen!)
- 1 TL getrocknete Polei-Minze mit
- 250 ml heißem Wasser übergießen.
- Maximal 3 Minuten ziehen lassen –
- länger ziehen lassen erhöht den Pulegon-Gehalt!
- Nur 1 Tasse pro Tag und nicht
- länger als 1 Woche am Stück trinken!
Unterarten der Polei-Minze in Europa
5 Unterarten in Europa:
- Echte Polei-Minze (Mentha pulegium var. pulegium)
- Großblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. macrocarpa)
- Kleinblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. microphylla)
- Weißliche Polei-Minze (Mentha pulegium var. albiflora)
- Rote Polei-Minze (Mentha pulegium var. rubra)
Drei häufigste Unterarten:
- Echte Polei-Minze (Mentha pulegium var. pulegium)
- Großblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. macrocarpa)
- Kleinblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. microphylla)
Drei seltenste Unterarten:
- Weißliche Polei-Minze (Mentha pulegium var. albiflora)
- Rote Polei-Minze (Mentha pulegium var. rubra)
- Dunkelgrüne Polei-Minze (Mentha pulegium var. viridis)
Drei älteste Unterarten (kultiviert seit mindestens dem 17. Jh.):
- Echte Polei-Minze (Mentha pulegium var. pulegium)
- Großblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. macrocarpa)
- Kleinblättrige Polei-Minze (Mentha pulegium var. microphylla)
Nachbarschaft und Mischkultur
Guter Nachbar:
- Kamille (förderlich für Aroma und Gesundheit).
- Kapuzinerkresse (schützt vor Schädlingen).
- Borretsch (verbessert Geschmack).
Schlechter Nachbar:
- Andere Minzarten (Kreuzbestäubung, Geschmacksveränderung).
- Pflanzen für Kinder oder Schwangere (giftig in hohen Dosen!).
Beste Mischkulturen:
- Kräuterbeete (mit Kamille, Borretsch, Kapuzinerkresse).
- Feuchtbiotope (mit Schachtelhalm, Kalmus).
- Topfkultur (wegen Ausbreitungstendenz).
Quellennachweis
- Wikipedia – Poleiminze (Mentha pulegium)
- Pflanzenforschung.de – Poleiminze
- Heilpflanzen-Katalog – Poleiminze